Unser Kirchenorgel-Projekt

Herbert Gasser, Kirchenmusikreferent für das Vikariat Wien-Süd hat sich in einer ausführlichen Untersuchung mit unserer Orgel auseinandergesetzt. Lesen Sie eine Zusammenfassung seines Gutachtens:

Die Orgel wurde 1870 von Joseph Ullmann erbaut. 1919 im Juni ersetzt Josef Ullmann jun. die 1917 abgelieferten Zinnpfeifen (ein Opfer des 1. Weltkrieges, Anm.) durch einen neuen Zinkprospekt (Enkel des Erbauers dieses Werkes).

Nach einigen kleineren Reinigungen und Adaptierungen – z.B. wird die Orgel 1939 lt. Chronik (Memorabilien) mit einem Motor ausgerüstet – folgt in den Jahren 1965 – 1969 in Etappen ein Umbau und eine Erweiterung der Orgel durch Prof. Josef Mertin.
– Neuer Spieltisch mit vier eingebauten, klingenden Stimmen (II. Manual)
– Adaptierung der alten Hauptwerkstraktur
– Neuer Prospekt
– Erweiterung des Tonumfanges im Pedal

Danach finden bis heute noch Instandsetzungsarbeiten durch Musikhaus Hobek und Friedrich Heftner (392.000 + 130.000 ATS) und 2003 eine Überholung durch Walter Vonbank (Kosten: 4.820 € ) statt.

Ist-Zustand heute:

Breit angelegtes, geschlossenes Orgelgehäuse mit Haupt- und Pedalwerk an der Rückwand, freistehender, klingender Spieltisch mit integriertem Nebenwerk.

Der originale Mittelteil wurde 1965 durch seitliche Zubauten aus Spanplatten ergänzt; diese enthalten auf einer Stahlkonstruktion die Zusatzladen (Pfeifenaufstellung „auf Sturz“) für die Pedalerweiterung von 12 auf 27 Tönen.
Im Orgelfuß befindet sich die Register-und Tontraktur für Manual I und Pedal sowie der Schwimmerbalg, rechts außen die Motorkiste.

Allgemeiner Zustand des Pfeifenwerkes

Die originalen Holzpfeifen (Subbass 16´) sind verschmutzt, alle Spunde schwergängig.

Aktiver Holzwurmbefall konnte nicht festgestellt werden, dafür jedoch viele Schimmelflecken. Die Innenpfeifen aus Zinn weisen die üblichen Stimmschäden an Mündungen, Labien und Füßen auf. Allgemein ist die Rastrierung der Pfeifen schlecht, vor allem die der Pedalzubauten Klanglich ist die unterschiedliche Entstehungszeit und Bauform deutlich hörbar:
Originale Zinnpfeifen von Ullmann (8´, 4´) in singend warmer, fülliger Tongebung, Neupfeifen von 1969 zwar intonatorisch angeglichen, aber doch deutlich gröber in der Tongebung, das gilt vor allem für den Zinkprospekt.
Insgesamt ist der klangliche Zustand des Pfeifenwerkes wegen undichter Pfeifenstöcke, Verschmutzung, Unausgewogenheit der Intonation und Stimmung sowie insbesondere der chaotischen Pfeifenaufstellung bzw. Heimwerkerbauweise im klingenden Spieltisch mehr als unbefriedigend.

innenpfeifenInnenpfeifen, Quelle: Herbert Gasser

 

Windladen

Die HW-Manuallade ist original erhalten. Die gespundete Eichenlade mit gezinktem Rahmen ist sehr solide gefertigt.
Die NW-Lade im klingenden Spieltisch neu (1969) und der Pedalladen als Zubauten weisen alle Eigenschaften eines Liebhaber- oder Heimwerkerbastelwerkes auf: keinesfalls historische Bauform und Materialien, undichte Stöcke, komplizierte Pfeifenrastrierung, Windverführung mittels chaotisch geführter Kunststoffschläuche, entsprechend unbefriedigende Tonbildung und Klangabsprache der Pfeifen.

Klaviaturen

Alle Klaviaturen sind stark ausgespielt und abgegriffen, haben keinen gleichmäßigen Gang, sind teilweise sehr gummig und im gekoppelten Zustand viel zu zäh! Die Garnierungen sind hart geschlagen, die Pedalklaviatur äußerst laut.

musikklaviaturenMusikklaviatur, Quelle: Herbert Gasser

 

Musikalische Bewertung

Das Instrument weist aufgrund seiner komplexen Baugeschichte und der damit verbundenen gravierenden Eingriffe in die historische Substanz keine authentisch-originäre Klangcharakteristik auf.
Weder die Einzelwerke (HW-NW-P) noch einzelne Pfeifenreihen überzeugen durch ausgewogen homogene Tonfülle, verschmelzungsfähigen Klang oder charakteristische Soloregistrierungen. Darüber hinaus ist die Kombination von technisch unzureichender Spielbarkeit und mangelnder Intonation bzw. Stimmung und Stimmhaltung des Pfeifenwerkes ein untragbarer Zustand, der das Instrument eigentlich weder für Liturgie noch Konzert geeignet erscheinen lässt.
Aufgrund der oben angeführten Beschreibung ist
a) von einer Instandsetzung des gegenwärtigen Zustandes aus musikalischer und wirtschaftlicher Sicht dringend abzuraten,
b) eine Rekonstruktion oder „Rückrestaurierung“ auf einen noch zu beweisenden (!) Originalzustand aufgrund der gegenwärtigen Sachlage und der bereits 1969 erfolgten „Erweiterung“ aus spieltechnischen und musikalisch-praktischen Gründen nicht zu empfehlen,

c) der Neubau einer zweimanualigen Schleifladenorgel (ev. unter Verwendung qualitativ hochwertiger Teile aus der historischen Ullmann-Orgel) in das alte (noch zu untersuchende!) Gehäuse die aus meiner Sicht beste Lösung.

windkanaleWindkanale, Quelle: Herbert Gasser

nw_tontrakturPlastikmuttern im klingenden Spieltisch, Quelle: Herbert Gasser

Herbert Gasser

Nach dem Gutachten des Orgelreferenten der ED Wien hat sich der Pfarrgemeinderat entschlossen, eine Neuanschaffung des Orgelwerkes mit Beibehaltung des zu restaurierenden historischen Orgelgehäuses in Auftrag zu geben.
Die Gesamtkosten betragen an die 300.000 Euro.
Die erste Anzahlung von 70.000,– Euro wurde im Oktober bezahlt und damit ist die Orgel in Auftrag gegeben worden.
Bis zum Jahr 2018 soll ein neues Orgelwerk die Gottesdienstbesucher – und nicht nur diese – erfreuen!!!

Tragen auch Sie einen Teil zur neuen Orgel bei

Wer möchte ist herzlich eingeladen, das große ORGELPROJEKT unserer Pfarre zu unter-
stützen! -Folgen Sie direkt dem PayPal Link und senden Sie Ihre Spende gleich online oder wie gewohnt mittels Bankanweisung:

 




 

Betreff: Orgelprojekt
Volksbank Bad Vöslau
IBAN: AT924300045132890000

DANKE!!!